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KANN MAN EIGENTLICH REGIE LERNEN?

Kann ich Regie lernen? Diese Frage habe ich mir schon oft gestellt, weil ich immer wieder auf große Schwierigkeiten beim Regieführen gestoßen bin. Es war schon etwas da: der starke Wunsch, Vorstellungen, wie ein Stück inszeniert werden könnte. Aber nach den ersten großen Fehlern beim Inszenieren sind auch die großen Zweifel gekommen: Sollte ich überhaupt weiterhin versuchen, Regie zu führen? Muss man nicht zum Regisseur geboren sein? Und offensichtlich bin ich das nicht, wenn ich so viele Fehler mache! Oder? Also frage ich mich: Kann man Regie lernen?

 

Welche Voraussetzungen braucht ein angehender Regisseur?

Einige Voraussetzungen sollten einem schon mit in die Wiege gelegt oder in der Kinderstube mitgegeben worden sein. Originelle Ideen und ein Gespür für Schauspieler, Zähigkeit und eine Vision, uneingeschränkte Neugier auf die Menschen und ihre inneren Welten und auf die Themen, die unsere Gesellschaft aktuell beschäftigen. Und man muss wissen, dass hinter dem ‚Traumberuf‘ sehr harte Arbeit steckt und nicht selten lange Durststrecken. Luigi Falorni (Regisseur, Autor, Kameramann, Produzent) glaubt nicht an Genies: „Jeder Mensch kann mit seiner eigenen Persönlichkeit und Sensibilität zum Regisseur werden“, sagt er.

 

Verschiedene Wege, Regisseur zu werden

Wie kann man Regisseur für Film und/oder Theater werden? Möglich sind die Wege über ein Regiestudium, eine Regieassistenz, durch eigene Projekte oder – beim Film – durch das Arbeiten in einer Produktionsfirma. Jeder Weg hat seine Vor- und Nachteile.

Im Regiestudium lernt man das Handwerk, die Techniken, die Geheimnisse. Mit einem dortigen Abschluss kommt man auch leichter ins Filmgeschäft. Das Studium wird immer beliebter, aufgrund der Kontakte, die man dort knüpft und der Möglichkeiten, eigene Filme produzieren zu können.

Bei einer Regieassistenz lernt man zwar das Handwerk auf dem praktischen Weg und hat dadurch Einsicht in die Produktionsabläufe, aber es ist schwieriger, darüber die Möglichkeit zu erhalten, tatsächlich Regie führen zu dürfen. Und das Handwerk muss man sich selbst aneignen und wird es nicht gelehrt. Im Theater ist es ähnlich.

Thomas Schadt, der Leiter der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg rät jedem, der Filme machen möchte, auf eine Filmhochschule zu gehen. Aber auch Studienabbrecher oder solche, die nie auf einer Filmhochschule waren, können zu großen Regisseuren werden. Prominente Beispiele sind Steven Spielberg, der mit zwanzig Jahren sein Filmstudium abbrach, oder Tom Tykwer und Fatih Akin, die nie auf einer Hochschule waren. Für Tykwer war das wichtigste Lernen das Studieren von Filmen. Schadt meint, ein Filmemacher benötige Geduld und Ausdauer, um erfolgreich zu werden. Das Ganze sei ein Langstreckenjob. Handwerkliches Talent sei Voraussetzung, außerdem ein gesunder Egoismus, man müsse im Mittelpunkt stehen wollen, aber dürfe auch kein Einzelkämpfer sein, da Filme zu drehen Teamarbeit sei. Und Erfolg? Trotz Ausbildung nicht garantiert. Wer eine Filmhochschule verlässt, sei noch kein fertiger Regisseur.

Verschiedene Schulen haben verschiedene Aufnahmekriterien, welche außerdem von Jahr zu Jahr verändert werden, da sich die Schulen immer wieder fragen, ob durch die von ihnen geforderten Kriterien wirklich die richtigen Bewerber ausgewählt werden.

Jan Philipp Gloger (Schauspiel- und Opernregisseur) äußert Skepsis an der Theaterregieausbildung, welche einigen Studenten zu wenig Zeit lassen und ihnen zu viele Vorgaben liefern könne, die den Studenten nicht befördern, sondern in seiner individuellen Entwicklung hinderten. Der Vorteil in der Ausbildung liegt aber darin, dass die Studenten die Möglichkeit erhalten, sich auszuprobieren und Stücke zu inszenieren, sodass die Theater auf sie aufmerksam werden können. Außerdem sind die Regieschulen sehr gut vernetzt und besitzen und vermitteln viel Wissen und Erfahrung über die Branche.

 

Was kann man lernen, was nicht?

Gute Ideen und ästhetisches Urteilsvermögen können in einer guten Regieausbildung trainiert werden, die Führungsqualitäten entwickeln sich meistens erst in der tatsächlichen Inszenierungsarbeit, aber das Verständnis für die praktischen Bedürfnisse des Betriebs erlangt man bestimmt am einfachsten als Regieassistent.

Wer in einem städtischen Theaterbetrieb Regie führen möchte, sollte mindestens Fantasie, dramatisches und dramaturgisches Verständnis, Ausdauer, Neugier auf Menschen und die Gesellschaft, Leidenschaft, eine Vision und Führungsstärke mitbringen. Dabei ist es schwer, zu sagen, was davon gelernt werden kann und was nicht. Die einzelnen Faktoren sollten aber im Kern angelegt sein, damit sie in der Regieausbildung, in der Arbeit als Regieassistent oder bei eigenen Projekten entwickelt werden können. Der beste Weg, um herauszufinden, ob der Beruf des Regisseurs für einen selbst geeignet ist, ist, das Regieführen auszuprobieren. Und dabei ist der Weg über eine Regieschule nicht der einzige und auch nicht für jeden der geeignetste Weg. Auch garantiert er keinen Erfolg im Theater- und/oder Filmgeschäft. Aber er ist der erfolgversprechendste Weg. Besonders wegen der Vernetzung der Schulen mit den Theaterbetrieben bzw. dem Filmgeschäft.

 

Manuel Kröger

 

Quelle (Titelfoto): 247/365 – On Set with Roger Corman (© by davidd)

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