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KAUFMANN VON VENEDIG – KAMMERSPIELE MÜNCHEN

+

  • Spannender Umgang mit dem Text
  • aktueller Zugriff der Regie
  • internationales Ensemble

  • teilweise verwirrende Textprojektionen
  • Leere, aber trotzdem überladene Bühne

 

Regie: Nicolas Stemann

Mit: Hassan AkkouchNiels BormannWalter HessJelena KuljićJulia RiedlerThomas Schmauser

 

Shakespeare-Klassiker gegen den Strich gebürstet? Das sagen mir verschiedene Kritiken, die ich zu Nicolas Stemanns Kaufmann von Venedig– Inszenierung an den Münchner Kammerspielen vorab gelesen habe. Erst einmal hört sich das nicht so vielversprechend an: Das Modell scheint sich irgendwie schon ein wenig verbraucht zu haben, finde ich. Aber trotzdem gebe ich dem Ganzen natürlich eine Chance und finde mich pünktlich auf der Maximilianstraße ein. Und die Überraschung ist groß, als mir, nachdem das Licht im Saal ausgegangen ist, von vorne bis hinten ein durchaus runder und spannender Abend geboten wird:
Absolut in die Gegenwart gebracht ist die, wie die Darsteller immer wieder betonen, ‚Komödie’ um Juden Shylock und seine christlichen ‚Gegenspieler’. Zwischen Charlie Hebdo, serbisch, arabisch und der spaßfixierten Wohlstandsgesellschaft versammelt sich hier thematisch alles, was aktuell die Medien beherrscht.

Der Kaufmann von Venedig-434-©-Sima Dehgani

Ensemble von „Der Kaufmann von Venedig“ © Sima Dehgani

Die Textverteilung zwischen den Darstellern ist erst einmal unklar. Klar ist aber: hier wird nicht nur der Nazi, sondern auch jeder andere aufs Korn genommen. Im Laufe des Abends werden immer klarer Figuren sichtbar, die schlussendlich aber dann doch wieder zu einer grauen Masse verschmelzen. Übrig bleibt die Botschaft, dass jeder Mensch ein Recht auf Leben und vor allem auf seine persönliche Freiheit hat.
Die Textfläche, zu der Stemann den Shakespeare-Text umfunktioniert, ist klar nach den original vorgesehenen Akten strukturiert. Sie erfährt zur Mitte des Abends ihren Höhepunkt, wenn Walter Hess plötzlich alleine auf der Bühne steht und die Leiden aller Figuren in seiner Person vereint.

Ob das funktioniert, entscheide jeder selber, denn der Abend ist in jeder Weise empfehlenswert.

 

Sarah Holtkamp

Kategorien:Theaterkritik

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