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MÜNCHNER MARIONETTENTHEATER: HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN

+ kunstvolles Marionettenspiel

+ liebevoll gestaltete Szenenbilder, Kostüme

+ ideenreich inszeniert

+ humorvoll erzählt

 

3. Bild langweilig

Opernaufnahme zum großen Teil schwer zu verstehen

 

Regie/Bühne: Siegfried Böhmke

Marionetten/Kostüme: Eva Richter

Puppenspieler: Lilit Ghukasyan, Sabine Hassan, Monika Strobl, Bärbel Roskam-Skorzyk, Siegfried Böhmke, Christian Kaya, Shunyam Müller, Ashot Oganian

 

Marionettenspiel ist eine faszinierende und zu wenig gewürdigte Kunst: hölzerne Puppen mit Hilfe von Fäden so zu bewegen, dass der Zuschauer das Gefühl hat, diese Puppen leben. Allein schon dafür lohnt es sich, in das Münchner Marionettentheater zu gehen. Zugegeben: Ich kenne mich mit Marionettenspiel wenig aus und habe wenig Vergleiche, aber ich behaupte, dass diese Puppenspieler auf hohem Niveau die Puppen tanzen lassen.

Das kleine Figurentheater ist seit dem 4. November 1900 im Herzen Münchens fest ansässig, in der Blumenstraße 32, Nähe des Sendlinger Tors. Insgesamt 22 Mitarbeiter halten den Betrieb am Laufen: Von der Bürokraft über den Saaleinlass, die Puppenspieler und die Techniker bis zum Intendanten.

Haus außen

Eingang des Münchner Marionettentheaters (Quelle: http://www.muema-theater.de)

Mit ca. 60 anderen Zuschauern sitzen mein Bruder und ich an einem Samstagabend im Publikumsraum. Damit ist der Saal zu ca. 50 Prozent gefüllt. Auf dem Programm steht Hoffmanns Erzählungen, eine Oper von Jacques Offenbach.

Die erste Szenerie ist Lutters Weinkeller. Gesang und Puppenspiel passen perfekt zusammen, sodass tatsächlich der Eindruck entsteht, die Puppen sängen selbst; dass Gesang und Musik von einem Tonband von 1950 kommen, muss ich mir immer wieder in Erinnerung rufen.

Besonders schön inszeniert sind das 2. und das 4. Bild. Im 2. Bild befinden wir uns im prunkvollen, aber mit schaurig-komischen Masken und Automaten ausgestatteten Haus des Physikus Spalanzani. Hoffmann verliebt sich hier in Olympia, eine Automaten-Puppe, die gehen, singen und Harfe spielen kann. Voller Humor unterhält der Akt uns sehr.

Der nächste Akt ist langsamer und auch wenig einfallsreich: Die Puppen bewegen sich von einem Punkt der Bühne zum anderen und wieder zurück, es gibt wenig Interessantes zu bewundern. Das Publikum wird unruhig. Am Ende singt sich Antonia zu Tode, und wir sind froh, dass es eine Pause gibt, in dem wir Zuschauer in einer familiären Atmosphäre unsere Getränke trinken, uns miteinander vor dem Theater und im Theatersaal unterhalten können oder auch die Fotos, Dankesbriefe von Carl Orff oder alte Spielpläne und Programmzettel an den Wänden des Theatersaales betrachten können.

Nach der Pause geht es weiter mit einer Szene auf einer venezianischen Terrasse. Dort überlässt Hoffmann der Kurtisane Giulietta sein Spiegelbild, um ihre Liebe zu gewinnen. Um an den Schlüssel für ihr Gemach zu kommen, tötet er seinen Rivalen, Peter Schlemihl. Giulietta aber ist inzwischen mit ihrem Diener und Liebhaber Pitichinaccio fort. Auch diese Szene besticht mit kunstvollen Szenenbildern und prächtigen Kostümen. Der Verlust des Spiegelbildes wird durch den eleganten Einsatz von Licht gelöst.

Die Oper endet nach ca. zweieinhalb Stunden (inkl. Pause) wieder in Lutters Weinkeller und mit begeistertem Beifall des Publikums, das fast nur aus Erwachsenen besteht; lediglich ein siebenjähriges Mädchen hat fasziniert das Figurenspiel verfolgt. Nicht verwunderlich, denn es war eine Abendvorstellung, für Erwachsene.

Das Münchner Marionettentheater hat Opern, Operetten und Sprechtheaterstücke in seinem Repertoire: Nachmittagsvorstellungen für Kinder ab 4 oder 5 Jahren und Abendvorstellungen für Jugendliche und Erwachsene.

Eine ganz klare Empfehlung, die liebevolle Inszenierung von Hoffmanns Erzählungen im Münchner Marionettentheater zu besuchen. Und nicht nur diese Inszenierung: Der Spielplan bietet eine vielfältige Auswahl (und so günstig wie hier kommt man kaum in ein anderes Theater: Die Tickets kosten zwischen 8 und 18 Euro).

 

 

Manuel Kröger

Quelle Foto: Münchner Marionettentheater

Kategorien:Theaterkritik

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