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ÖDIPUS IM RESIDENZTHEATER: MODERN UND GUT

 

+ schlichtes, aber interessantes Bühnenbild

+ Transferierung in die moderne Zeit

+ kurze 80 Minuten Spiellänge

 

alte, schwerfällige Texte

 

 

Regie: Mateja Koležnik

Bühnenbild: Raimund Orfeo Voigt

Mit: Thomas Lettow, Sophie von Kessel, Bijan Zamani, Hans-Michael Rehberg, René Dumont, Wolfram Rupperti, Alfred Kleinheinz, Thomas Grässle

 

Der Zuschauer blickt auf eine Bühne, die durch eine Glaswand vom Zuschauerraum getrennt ist. Hinter dieser Glaswand ist eine weiße Wand mit zwei großen Holztüren. Dann ertönt über Mikrofon Stimme Ödipus‘, der zu den Thebanern spricht. Offensichtlich geschieht die Ansprache hinter der weißen Wand mit den Türen. Wir hören nur, sehen aber nichts. Dann wird eine Pause im Plenarsaal eingelegt und die Politiker Thebens erscheinen in modernen Maßanzügen im Flur, um zu rauchen. Dabei besprechen sie, was Sophokles seine Figuren eben besprechen und entdecken lässt.

Bald schon, nachdem Ödipus dem Volk versprochen hat, den Mörder Laios‘ zu finden und zu verbannen, tritt der blinde Teiresias auf, wenige Raucherpausen später erfährt Ödipus vom Hirten und vom Boten aus Korinth, dass er der Sohn des Laios ist, ihn damals im Parnass getötet und seine eigene Mutter geheiratet hat. Danach verschwindet er von der Bühne und kehrt wieder mit blutigen Augenhöhlen. Kurz darauf ist auch das Stück vorbei.

KÖNIG ÖDIPUS/Residenztheater

Besonders bemerkenswert ist das Schauspiel des Teiresias (Hans-Michale Rehberg), dessen fast schon leises, aber präzises und souveränes Spiel eine große Kraft besitzt, außerdem das schlichte Bühnenbild, das nicht verändert wird und nur EinSICHT in die Hälfte der Handlung gibt, der Spannung dadurch aber nichts nimmt. Natürlich erhöht auch die großartige Dramaturgie die Spannung: Sie gestaltete die Handlung kurz, dicht und temporeich. Besonders schön ist auch die Performance der Thebaner: Sie stemmen sich gegen eine unsichtbare Kraft – wahrscheinlich gegen den Wind -, fallen, stehen wieder auf, während Erde auf die Bühne geweht und wie in einem Herbststurm herumgewirbelt wird. Ein Symbol für die Vergänglichkeit: Asche zu Asche, Staub zu Staub. Der einzige für mich schwierige Punkt ist die schwerfällige Sprache des Originaltextes; aber die liegt natürlich in der Natur des Stücks und kann und sollte nicht geändert werden.

Insgesamt: Sehr empfehlenswert.

 

 

Manuel Kröger

Nächste Aufführungstermine:

  • 19.05.2016, 20:00 Uhr
  • 28.05.2016, 20:00 Uhr

 

Quelle Fotos: www.residenztheater.de, © Thomas Dashuber

Kategorien:Theaterkritik

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